5 Tipps für die Internationalisierung von Online-Shops

Es ist bekannt, dass vor allem allem größere deutsche Online-Shops sich derzeit intensiv mit der Frage beschäftigen ob, wie und wenn ja in welche weiteren Länder man den Online-Versand erweitern kann. Für den Versandhandel in andere Länder gibt es jedoch einige Fallstricke und Hürden zu beachten, die sich vor allem in punkto Transparenz für den Verbraucher sowie Anpassungen an individuelle Bedingungen in den jeweiligen Märkten niederschlagen. Die Themenvielfalt reicht von der Suchmaschinenoptimierung, der Anpassung der Zahlungsanbieter hinzu sprachlichen- und rechtlichen Herausforderungen. Dieser Blogpost liefert einige Tipps und Tricks was bei der Internationalisierung von Online-Shops zu beachten ist.
Besucher auf „richtige“ lokalisierte Version leiten
Woher kommen meine Besucher und wie leite ich sie am besten direkt auf die „richtige“ Seite. Dies ist nicht immer nur ein Sprachproblem. Die Sprachauswahl über eine Flaggennavigation ist derzeit dennoch die geläufigste Methode, da sie auch in den bekannten Shopsystemen implementiert ist. Gut gefällt uns zum Beispiel bei youtailor.com, dass neben den Länderflaggen das Land zusätzlich als Text ausgeschrieben wurde und man auch noch für die Sonderfälle (Schweiz, Belgien) entsprechend die Sprachauswahl treffen kann. Für die Schweiz kann ich hier zum Beispiel zwischen der deutschen, italienischen und französischen Sprache auswählen – das schafft per se natürlich schon Vertrauen beim Verbraucher und reduziert die Abbrecherquote.
Eine technische Variante um den Besucher direkt richtig zu leiten nennt sich IP-Detection. Anhand der Aufschlüsselung der IP-Adresse des Besuchers runter zum Herkunftsland, kann der Webshop individuelle Informationen an den Verbraucher ausgeben. Surft man zum Beispiel aus Deutschland auf youtailor.ch so bekommt man ein kleines Pop-Up angezeigt, welches darüber informiert, dass man sich von youtailor.ch nur in die Schweiz beliefern lassen kann. Stattdessen wird auf die deutsche Version youtailor.de verwiesen. So werden die Besucher direkt richtig geleitet und aufwendige Nachfragen oder Stornierungen im Nachgang der Bestellung vermieden.

Sprache, Währung und Einheiten anpassen
Natürlich erwarten Online-Shopper zumindest eine sprachlich angepasste Website, denn sonst kann die Bestellung schnell zum Kraftakt werden. Beschreibungstexte, Navigation, Bilder und natürlich auch Systemtexte sollten deswegen übersetzt sein. Moderne Shopsysteme sind hierfür in der Regel technisch vorbereitet. Zu entscheiden gilt bei der Übersetzung, genau wie beim SEO und anderen e-Commerce Disziplinen, ob man sich einen lokalen „nativen“ Experten ins Haus holt oder diese Aufgabe an einen spezialisierte Agentur abgeben sollte.
Mit der rein sprachlichen Übersetzung ist es aber leider nicht getan. So haben die einzelnen Länder natürlich noch so ihre Eigenarten. Mit kleinen unscheinbaren Anpassungen kann man jedoch dem Besucher wiederum schon ein bisschen entgegenkommen. Lokalisierte Ansprachen oder angepasste Grafiken (die zum Beispiel das Vorzeigesymbol – wie bspw. den Eiffelturm – des jeweiligen Landes enthält) auf der Startseite sind hierfür gute Beispiele.
Neckermann geht mit der Schweizer Version ihres Online-Shops hier mit gutem Beispiel voran und begrüßt seine Besucher mit einem „Grüezi bei neckermann.ch“ statt dem deutschsprachigen „Willkommen bei Neckermann“. Da freut sich der Besucher sicherlich und fühlt sich direkt richtig.

Lieferbedingungen und Versandkosten klar kommunizieren
Die größte Sorge des Online-Shoppers bei der Bestellung in ausländischen Shops sind die gesonderten und oftmals komplizierten Lieferbedingungen. Dazu gehören neben den Versandkosten natürlich auch noch die Lieferzeiten, Retour- und Zollbedingungen. Alles im allem gar nicht mal so wenig zusätzliche Informationen. Aus diesem Grund sollten diese Informationen stets sichtbar im Online-Shop platziert werden. Im besten Fall als prominenten Link mit dem Ankertext „Lieferbedingungen und Versandkosten ins Ausland“ direkt auf den Bestellseiten platzieren.
An dieser Stelle die gesonderten Lieferbedingungen lieber zu vertuschen statt deutlich aufzuführen, führt sicherlich im Nachgang zu unnötigem Aufwand und Ärgernissen  – nicht nur auf der Verbraucherseite.
Bestellformular lokalisiert ausgeben
Das Bestellformular gilt ohnehin schon als der unbeliebte Sohn des Online-Shops, da es eine technische Herausforderung darstellt und zudem als Conversion-Killer gilt. Genau aus diesem Grund ist es für internationale Online-Shops enorm wichtig, wenn technisch möglich, das Bestellformular an lokale Gegebenheiten anzupassen. Ein einfaches Beispiel ist die Validierung der Felder. Für ein Schweizer Formular sollte zum Beispiel die Eingabe einer 4-stelligen Postleitzahl möglich sein und nicht vom Validierungsscript angemeckert werden. Das gleiche gilt für die Address-Länder-Box. Vergessen sollte man nicht, die Länder in die man versendet auch im Drop-Down mit anzubieten. Versendet man auf einer bestimmten Länderdomain (siehe youtailor.ch) jedoch nicht in gewisse Länder, so sollte man diese natürlich auch nicht zur Auswahl anbieten. Stattdessen muss ein Info-Text platziert werden, mit dem man den Shopper noch möglichst auf den richtigen Weg leiten kann.
Ein wesentlicher Bestandteil des Bestellformulars ist die Auswahl des Zahlungsverfahrens. Dieser Schritt im Checkout gilt sowieso schon als einer der Top-Conversion-Killer, da Online-Shops oftmals nicht die bevorzugte Zahlungsart des Online-Shoppers anbieten. Schade, dabei ist der Besucher wirkllich weit gekommen ;-( Aus diesem Grund ist es im Ausland vielleicht sogar noch wichtiger die bevorzugten Zahlungsarten der jeweiligen Länder im Angebot zu haben. Paypal, Kreditkarte, Sofortüberweisung und Co. sind eben nicht in allen Ländern so verbreitet, wie wir es aus Deutschland kennen.
Internationales SEO – Suchmaschinen nicht vergessen
Mit einer simplen sprachlichen Übersetzung der Shopseiten sowie der Keyword-Liste ist es leider nicht getan, dies sollte jedem Shopbetreiber von vorn herein klar sein. Vielmehr muss man sich auch in punkto International SEO den besonderen Such-Gewohnheiten des Zielmarktes anpassen. Ein gutes Beispiel dafür ist wohl die Keywordliste. Die übersetzte Keyword-Liste kann zwar gut als Vorlage dienen, muss aber dann natürlich wiederum in mehreren Schritten weiter verfeinert werden.
Sind die übersetzten Keywords tatsächlich die richtigen Übersetzungen nach denen die Leute wirklich suchen, wenn sie ein bestimmtes Produkt finden wollen bzw. sollen? Was sind mögliche Synonyme die es im deutschen gar nicht gibt? Das einfachste Beispiel ist hier wahrscheinlich des Deutschen neues Lieblingsspielzeug das „Handy“, welches im englischen jedoch „cellphone“ heisst. Neben der eigenen übersetzten Keyword-Liste sollte man parallel auf jeden Fall eine neue „fremdsprachige“ Keywordliste anlegen, die man sich im ersten Schritt einfach bei der direkten Konkurrenz im Ausland abschauen kann. Hier bitte nicht unbedingt den Fehler machen und bei der Konkurrenz aus Deutschland im fremden Markt abschauen, denn vielleicht hat die Konkurrenz genauso schlecht übersetzt wie man selbst auch.
Die bekannten Tools zur Keyword-Reschersche Google Insights und das Google External Keyword Tool helfen natürlich auch im Ausland weiter. Hiermit muss die übersetzte Keyword-Liste immer weiter in Sachen Suchvolumen und Konkurrenz-Situation verfeinert werden – wie gewohnt. Mit ein bisschen Glück kann sich die doppelte Arbeit jedoch lohnen und man stolpert über eine ausländische Nische, die in Deutschland schon lange keine Nische mehr ist 😉

Weitere Tipps und vor allem detaillierte Ausführungen zu den angesprochenen Tipps folgen…

2 Gedanken zu „5 Tipps für die Internationalisierung von Online-Shops

  1. Grüß Gott,

    problematisch beim Anbieten im Ausland ist aber, dass AGB und Widerrufsrecht in der jeweiligen Landessprache und den in dem betreffenden Land konformen Rechtsform hinterlegt sein muß.
    Einen Anwalt in jedem Land bzw. einen Anwalt der sich mit allen Gesetzen der jeweiligen Länder auskennt kann sich keiner leisten. Und die wenigsten Anbieter im Internet beherrschen alle 24 Sprachen in der EU

    Freundliche Grüße
    Barbara Kapfhammer

  2. Sehr guter Artikel!

    Die komplette Lokalisierung von Online Shop, Prozesse und Menschen ist die einzige Methode die Inländische (Deutsche) CR zu erreichen.

    Bedenken Sie immer, dass Ihr lokaler Wettbewerb im Ausland sich 24/7 (wie Sie in Deutschland) sich mit seinem Shop beschäftigt.

    Nur mit ganzen Maßnahmen kann man ganze Resultate buchen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.