Was ist Growth Hacking?

Als ich Anfang des Jahres 2014 einen Artikel auf techcrunch las “Defining A Growth Hacker: Growth Is Not A Marketing Strategy” fiel mir das Keyword des Artikels “Growth Hacker” direkt ins Auge. Cooles Wort, gute Headline, draufgeklickt und durchgelesen. Schnell wusste ich, das ist kein gewöhnlicher Blogpost für mich. Denn erstmalig fand ich meine persönliche Jobbeschreibung komplett niedergeschrieben. Zusammengefasst nennen die Amerikaner das ganze Tun rund um “Maximal viele glückliche Nutzer gewinnen möglichst automatisiert und natürlich auf Userdaten basierend” jetzt neuerdings “Growth Hacking”.

Was macht ein Growth Hacker?

Growth Hacker werden

Growth Hacker – ein cooler Jobtitel, oder? Bestehende Dinge neu zusammenzuschrauben und einen coolen Namen draufzuschreiben, das konnten die Amerikaner schon immer besonders gut 😉 Leider hatte ich bislang nie einen adäquaten Namen für meinen Beruf gefunden – oder besser gesagt ich hatte immer Schwierigkeiten die wirklich treffende Bezeichnung auszuwählen. Produkt Manager, Projektmanager, Customer Experience Manager, SEO, SEM, Social Media Manager, Product Marketing Manager, Developer, Information Architect, Process Analyst, Data Analyst, Enterpreneur, Performance Marketing Manager, UX Designer und und und. Alles habe ich schon gemacht und begleitet mich heute glücklicherweise immer noch jeden Tag. Denn ich liebe diese Disziplinen – jede im einzelnen, aber noch viel mehr im Zusammenspiel.

Aber was ist denn jetzt Growth Hacking genau?

Ursprünglich war die Idee von Growth Hacking „Das Einsammeln von maximal vielen Usern für ein Produkt mit möglichst automatischen Marketing-Methoden“. Social Media und die Fähigkeit auf der Basis von Userdaten besser targeten zu können – gelten dabei als die größten Hebel für echten User Growth. Hier gibt es mittlerweile unzählige Beispiele von Firmen und (damaligen) Startups wie man mit Hilfe von Growth Hacking sehr schnell sehr erfolgreich werden konnte. Das erste bekannte Beispiel ist das automatische Wachstum des kostenlosen E-Mail Dienstes Hotmail aus der Internet-Steinzeit 1998.

Was war passiert? Hotmail hat einfach in den Footer einer jeden versendeten eMail eines Hotmail-Accounts einen Beisatz hinzugefügt “PS I Love You: Get your free Hotmail Account” mit einem Link auf ihre Homepage. Der Effekt war, dass quasi jeder auf diesen charmanten Satz geklickt hat, auf der Hotmail-Homepage landete, die dann “nur noch” Ihren Dienst verrichten musste den Menschen einen kostenlosen E-Mail Account anzubieten. Damals hatte noch nicht jeder einen E-Mail Account, somit die richtige Idee zum richtigen Zeitpunkt.

Growth Hacking Beispiel

Quelle

Warum hat es funktioniert? Ganz einfach, Hotmail hat die Reichweite seines eigenen Produktes (eine versendete E-Mail) verwendet, um dort eine kleine smarte Werbebotschaft zu platzieren. Kein Newsletter-Spam, kein Ad-Banner, keine TV-Werbung – kaum Streuverlust und keine Kosten. Das schöne an dieser Maßnahme ist, dass es mit der Nutzung des eigenen Produktes skaliert. Je mehr E-Mails versendet werden, desto mehr Empfänger der Botschaft gibt es. Ein genialer Growth Hack.

Tipp: Bedeutet für jeden Growth Hacker, vergesst nicht die Reichweite die Ihr mit Eurem eigenen Produkt bereits schon habt. Eure Zielgruppe bewegt sich heute schon in Eurem Produkt und ist somit auch perfekt geeignet entweder weitere Features auch noch zu nutzen (Up- bzw. Cross-Selling) oder dafür herzuhalten, dass neue Nutzer davon erfahren.

Growth Hacking für größere Unternehmen

Das Arbeiten in einem Startup unterscheidet sich natürlich deutlich von der Arbeit in „größeren“ Unternehmen (30+ Mitarbeiter, Digital Business, …). Nicht nur quantitativ durch zum Beispiel Anzahl der Mitarbeiter, Anzahl und Art der Stakeholder, Märkte, Systeme, Prozesse, ordentliches Budget sondern auch qualitativ durch Markenbekanntheit, Position im Markt, Trägheit, Länge der Mitarbeiterzugehörigkeit, Mitarbeiterloyalität etc. All diese Punkte können, wie immer im Leben, einerseits Fluch andererseits Segen sein. Warum gibt es eigentlich keine Literatur mit dem Titel “Change-Management für Startups”? Dreimal dürft ihr raten…

Ein Beispiel

Wir möchten eine tolle neue super-freundliche Welcome-Mail an unsere Neukunden schicken. Denn “der erste Eindruck zählt.” Im Startup ist die Mail schnell vom Gründer selbst in Mailchimp runtergeschrieben, vom Developer per API in den Prozess gehangen und morgen schon live. Vorteil: Super schnell, mega agil, kaum Abhängigkeiten.

Beispiel Welcome Mail
Ein tolles Beispiel einer Welcome Mail von shopify

 

Im Unternehmen müssen/können die Mails im Team verfasst, dann anschließend noch geproofreadet und freigegeben werden. Am Ende des Entwicklungsprozesses muss dann noch ein geeigneter Slot im großen Kommunikationsplan gefunden werden. Vorteil: Versand an große Kundenbasis, weniger Fehler durch “super viele Augen-Prinzip”. Nachteil: Extrem langsam, aufwendig und dadurch kräftezehrend. Und oftmals ist nachher niemand mit dem Ergebnis wirklich zu 100% glücklich, da jeder irgendwo Abstriche machen musste. Wenn das Ergebnis leidet, dann ist es Zeit für eine Änderung – vor allem in Zeiten der digitalen Disruption.

Allerdings wie immer im Leben, hat aber alles seine Vor- und Nachteile. Schaut man sich die klassischen Growth Hacks an, wird schnell klar, dass es in einem Startup wesentlich einfacher zu sein scheint diese “mal gerade einzubauen und zu testen”.

Die richtigen Ziele

Aber man kann fast alles auch in Unternehmen hinbekommen, wenn man sich auf die wirklich richtig wichtigen Dinge fokussiert, die Ziele in die Richtung User Growth anpasst und das Growth Hacking Mindset der stetigen Verbesserung in wirklich jeden Mitarbeiter versucht zu implementieren. Vor allem die Existenz von “eigenen” Experten wie Developern, SEOs, Designern, Juristen, Textern und Co., die praktisch immer verfügbar sind, muss zu einem Vorteil der Non-Startups gemacht werden, statt zum Abstimmungsdesaster. Dafür ist die richtige Organisationsform von Nöten, denn Ressourcen-Pitching mit Themen die nichts mit “User Growth” zu tun haben, ist für einen Growth Hacker für Unternehmen das Todesurteil.

Bedeutet also, Growth Hacking in Unternehmen bringt sehr sehr viele weitere Disziplinen mit sich, die auch im entferntesten Sinne nicht viel mit zum Beispiel Social Media zu tun haben. Der beste Growth Hacker baut Agile Organisation auf und ständig um, hat seine Stakeholder im Griff, ist Online-Marketing Spezialist, kann AB-testen wie ein Profi, liebt Excel-Sheets mit User-Funnels, versteht immer die Sprache der Developer, hat ein gutes Händchen für einfaches und gutes Design und last but not least liebt seine Kunden und sein Produkt überalles.

A Growth Hacker can speak two languages fluently. The language of his customer and SQL.
A Growth Hacker can speak two languages fluently. The language of his customer and SQL.

Geht es Dir genauso? Hast Du auch mit der Bezeichung “Growth Hacker” endlich die geeignete Berufsbezeichnung für Dich gefunden? Egal ob Du im Startup oder im Unternehmen unterwegs bist, als Gründer oder Angestellter, als Team-Member oder Abteilungsleiter, als Investor, UX-Designer oder Developer. Fantastisch – ich habe meine ganz persönlichen Growth Hacks der letzten 8 Jahre in einem eBook runtergeschrieben – alles zu 100% selbst getestet. Schau mal rein – es gibt natürlich eine kostenlose Leseprobe.

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